Samstag, 20. Juli 2013

Eine Straße sucht ihre Identität

Es lohnt sich doch immer, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen - auch durch Hagen. Ich habe mich heute für ein Stündchen von meinem Schuljahresabschluss-Schreibtisch gelöst und die Einladung zum Treffen am "Blauen Tisch" des Architekten- und Ingeniervereins Mark Sauerland angenommen. Um es gleich zu sagen, es gab tatsächlich einen "blauen Tisch", an dem allerdings nur die Redner standen, für die rund 40 Teilnehmer wäre er denn doch zu klein gewesen :-) Zu Wort konnte dennoch jeder kommen.
Mich hat besonders der Rundgang durch das Bahnhofsviertel interessiert. Warum, das bleibt bis zum Frühjahr 2014 mein Geheimnis. Aber an den interessanten Informationen, die Jens Bergmann vom Hagener Heimatbund, bereithielt, lasse ich euch gerne teilhaben.
Einen Bahnhof gibt es in Hagen seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als die erste Eisenbahn durch Hagen führte. Kurz danach entstand die Bahnhofstraße als Zuweg zur Mittelstadt, sodass sie immerhin auf eine gut 150-jährige, wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Anfangs befanden sich an der unteren Bahnhofstraße noch Fabriken, während am oberen Teil Industrielle ihre Villen hatten. Dort, wo heute der Volkspark war, endete von Anfang an die Bahnhofstraße, sie lief auf die Villa des Fabrikanten  Funcke zu.
Nachdem das Dessauer Gaswerk um 1900 von der Bahnhofstraße nach Eckesey umzog, siedelten sich an der Bahnhofstraße Hotels an. Zeitweise befanden sich 15 Hotels an der Bahnhofstraße mit Restaurants und Gasthäusern, in die sich die Hagener gerne zu einem Plausch zurückzogen, wenn sie sich beim Flanieren über die Bahnhofstraße begegneten. Ja, die Bahnhofstraße war vor dem ersten Weltkrieg eine "Laufmeile", wie Jens Bergmann es nennt. Dort raste man nicht wie heute schnell zu Fuß hindurch, sondern schlenderte entlang, um andere Leute zu treffen. Leider gibt es keine Gebäude mehr, die erahnen lassen, wie es vor den Kriegen in der Bahnhofstraße aussah. Auch das Gebäude, in dem sich früher die Commerzbank befand, nicht, denn das wurde erst 1951 von dem Architekten Frick aus Düsseldorf erbaut. Zwar wirkt die Architektur alt, allerdings spiegelt sie eher den Stil des Dritten Reichs wider als den Stil der Jahrhundertwende.
Immer auf der Suche nach Krimi-Themen fand ich die Geschichte der Martin-Luther-Kirche besonders interessant. In den Resten der Kirche war  1944/45 eine Notkirche unterrgebracht, die bis Anfang der 60er Jahre genutzt wurde. Erst dann wurde die Kirche von dem Hamburger Architekten Gerhard Langmaack entworfen und neu gebaut. Allerdings wurde dabei der Glockenturm der alten Kirche erhalten und lediglich von einer Mauer ummantelt. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Kirche heute dem Verfall preisgegeben wird und sich der Eigentümer nicht darum kümmert. Daraus lässt sich in einem Krimi doch etwas machen. :-)
Interessant bleibt jedenfalls, wie es weitergehen wird mit der Bahnhofstraße und ob es ihr gelingt, an die Hoch-Zeit in den Anfängen der Bahn-Geschichte anzuknüpfen.

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